Brief an den SPAZZ-Herausgeber

Sehr geehrter Herr Gehlert,

zum wiederholten Mal hat Ihr Kolumnist Walter Feucht den Kontrollverlust des Staates in der Flüchtlingsfrage angeprangert. Aus der Luft gegriffen behauptet er, über eine halbe Million Asylsuchende seien in Deutschland untergetaucht und deshalb polizeilich nicht bekannt bzw. nicht erfasst. Sexuelle Übergriffe von Asylbewerbern, öffentliches Masturbieren im Zug, seien an der Tagesordnung und die Ulmer Innenstadt ein Hort schwadronierender Banden.

Aufgrund dieser Behauptungen habe ich mich mit den Polizeibehörden in Verbindung gesetzt. Es wurde mir versichert, dass keinesfalls Massen von Flüchtlingen im Untergrund leben und bei der Kriminalität in Ulm und Umgebung keine Steigerungen festzustellen sind.

Diese von Herrn Feucht immer wieder forcierte Angst- und Stimmungsmacherei entbehrt jeglicher Grundlage und ist Sprachduktus der AfD und der NPD: „wir sind nicht mehr Herr im eigenen Land“. Nachdem ich schon mehrfach Sie als Herausgeber hierauf mündlich wie auch in Form eines Leserbriefes angesprochen habe und Sie Herrn Feucht weiter gewähren lassen und er somit weiter seine menschenverachtenden Hasstiraden unter das Volk bringen kann, gehe ich davon aus, dass Sie seine Ansicht zumindest billigen.

Vor wenigen Tagen bat mich Ihr Verlag für die Veröffentlichung des neuen Rankings der 100 wichtigsten UlmerInnen in Ihrer Zeitschrift um ein aktuelles Foto und ein Statement. Diesem Wunsch werde ich im Hinblick Ihres Verhaltens in obiger Angelegenheit nicht nachkommen. Selbstverständlich steht es Ihnen frei, eine Einordnung meinerseits in Ihrer Liste vorzunehmen. In der Liste sind im übrigen Menschen, die sich sozial engagieren und für den Kitt in unserer Gesellschaft sorgen, nicht berücksichtigt.

Schließlich würde ich mir wünschen, dass die Vereine und Institutionen im Sport- und Kulturbereich, die mit Herrn Feucht kooperieren, über diese Verbindung nachdenken und eine klare Position beziehen würden. Beispielsweise verträgt sich die Kampagne der UEFA „No to Racism“ nach meinem Verständnis nicht mit den Äußerungen von Herrn Feucht.

Gerne stelle ich es Ihnen frei, mein Schreiben zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Jürgen Filius

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